Presse2018-08-01T12:24:58+00:00

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Giessener Anzeiger vom 25.2.2018

Gießen:
“Es sind alles Helden hier”

Von Heiner Schultz

BENEFIZKONZERT “Drei Stimmen” mit künstlerischer Verstärkung und vielen Hits zugunsten der Hallo-Welt-Stiftung im ausverkauften Volksbank-Forum

GIESSEN (hsch) – Nicht ganz unerwartet konnten die “Drei Stimmen” und Freunde am Samstag im Forum der Volksbank bei ihrem Benefizkonzert zugunsten der Hallo-Welt-Stiftung einen großen Erfolg verzeichnen. Das Ereignis war schon lange ausverkauft – und es wurde aufgrund der reduzierten Form und weiterer glücklicher Umstände ein tatsächlich außergewöhnliches Konzert.

Das lag nicht nur daran, dass die “Drei Stimmen” seit 2015 nicht mehr offiziell als Gruppe auftreten, ohne dabei an Beliebtheit zu verlieren. Sämtliche Musiker traten nun pro bono auf, Sponsoren übernahmen auch die technische Ausrichtung des Abends, es gab kein Playback und keine große Anlage. In einer knappen Begrüßung umrissen Klaus Arnold von der Mittelhessenstiftung und Frank Wagner von “Hallo Welt” die Ziele der Stiftung und bedankten sich bei den Mitwirkenden, aber auch beim zahlenden Publikum für die Unterstützung des guten Zwecks.

“Es sind alles Helden hier”, sagte Heinz-Jörg Ebert, “zum Teil stehen sie mit Fieber auf der Bühne.” Davon war nichts zu bemerken, als die “Drei Stimmen” mit “You’ve got a friend” den Auftakt machten. Ebert und Ingi Fett hatten dann ihre Töchter zur emotionalen Verstärkung mitgebracht. Maria Ebert, erstmals auf der Bühne, und Lilli Fett machten ihre Sache tadellos. Den ersten Höhepunkt bildete Fetts Interpretation von “Die Rose”. Die sehr gut disponierte Sängerin glänzte auch später mit ebensolchem Timing, schlackenfreier Intonation und überzeugendem Gefühl. Adeles “When we were young” musizierte sie jedoch nicht vergleichbar.

Gitarrist Nick Ramshaw und Tom Pfeiffer sorgten mit einer sehr gut gesungenen Version von “Weather with you” (“Crowded House”) für eine spontane Stimmungsexplosion und räumten dann mit “Wake up little Susie” (Simon & Garfunkel) komplett ab. Noch übertroffen wurde dies mit dem Abschluss der ersten Halbzeit durch die Stimmen und ein Medley aus dem “König der Löwen”, zu dem die “Gruppe Heinrich”, ein renommierter gemischter Chor, den perfekten Hintergrund lieferte: das war große Geste, himmlische Stimmenfülle wie im Musical und nicht zuletzt umfassend erstklassige Arbeit, die anrührte. Schon hier machte sich eine allseitige Beseeltheit der Sänger bemerkbar. Nicht zuletzt wirkte der musikalische Leiter und Arrangeur Christian Krauß an den Keyboards und als Leiter des Chors souverän auch im Detail.

Auch Tom Pfeiffer profitierte nicht erst bei seinen Reminiszenzen an sein George-Michael-Gedächtniskonzert vom luxuriösen Background des temperamentvollen Chors. Ein besonderes Intermezzo gestaltete er mit seinem Bruder Martin und “Don’t let the sun go down on me” zu einem starken Erlebnis. Heinz-Jörg Ebert überzeugte mit seiner leidenschaftlichen Version von Edith Piafs “Hymne a l’amour”. Mit dem Abschlussblock, einer tollen Trio-Version von “Wonderful world” sowie allen Sängern gemeinsam mit “Bitte hör nicht auf zu träumen”, endete ein musikalisch außergewöhnlich kraftvoller Abend, der mit Reinhard Meys “Gute Nacht Freunde” stimmungsvoll ausklang.

Giessener Anzeiger vom 20.1.2018

Gießen: “Die Drei Stimmen” geben gemeinsames Konzert zugunsten “Hallo Welt”

Eltern werden, das ist nicht nur ein schönes Gefühl, sondern ist auch mit einer Flut von Neuigkeiten und viel Verantwortung verbunden. Um dabei nicht allein und hilflos zu sein, gibt es das Angebot “Hallo Welt – Familien begleiten” des Vereins Eltern Helfen Eltern. “Unser Konzept füllt eine Lücke zwischen null und drei Jahren”, erklärt Kinderarzt Dr. Frank Wagner, Mitinitiator von “Hallo Welt”.

GIESSEN (sza). ). Mit diesem Angebot sollen alle Eltern mit Neugeborenen in Stadt und Landkreis Gießen die Chance haben, sich über alle wichtigen Dinge rund um das Leben mit einem Baby zu informieren. Dabei werden die jungen Familien von einer “Hallo Welt”-Botschafterin als Ansprechpartnerin betreut. “Sie erhalten von ihr ein Buch, welches wir mit unserem Know-how geschaffen haben. Es enthält eine Fülle an wichtigen Informationen”, so der Mediziner. Mit diesem Konzept möchte man Hilfe an der Basis leisten und Familien beim Start in ein Leben mit einem Baby unterstützen. Oft bedarf es dabei einfacher Dinge wie einem offenen Ohr, etwas Lebenserfahrung und Zeit. “Das Angebot ist freiwillig, kostenlos und richtet sich an alle Eltern in der Stadt und im Landkreis Gießen”, macht Brita Ratzel, Geschäftsführerin von Eltern für Eltern, deutlich. Damit dieses Angebot so beibehalten werden kann und junge Familien weiterhin mit dem Begleitbuch ausgestattet werden können, bedarf es jedoch finanzieller Hilfen durch Förderer, Spenden und Sponsoren.

Am 24. Februar wird deswegen ein kleines Stück Gießener Musik-Historie im Forum der Volksbank Mittelhessen auf die Bühne zurückkehren, um das Projekt “Hallo Welt” mit einem Konzert zu unterstützen. “Bevor es irgendwelche Gerüchte gibt: Dieses Konzert ist kein Comeback, es ist nur die Einlösung eines alten Versprechens”, erläutert Heinz-Jörg Ebert, einer aus der Formation “Die drei Stimmen”. “Wir haben uns nach 15 erfolgreichen Jahren aufgrund von Überlastung zurückgezogen. Aus der Musikgruppe wurde ein Verein”, so Ebert. Dieser unterstütze vier Projekte, darunter “Hallo Welt”. Ebert freut sich darauf, wieder mit Ingi Fett und Tom Pfeiffer auf der Bühne zu stehen, macht aber deutlich, dass es kein reines “Drei Stimmen”-Konzert ist. “Wir werden solistisch, zu zweit, zu dritt aber auch mit vielen musikalischen Wegbegleitern auf der Bühne stehen.” Er verspricht einen sehr emotionalen Abend voller musikalischer Höhepunkte. Wer das Konzert besuchen möchte, der kann sich Tickets im Schuhhaus Darré (Seltersweg 87) und bei Eltern helfen Eltern (Rooseveltstraße 3) zum Preis von 29,50 Euro erwerben. Im Ticketpreis ist zudem ein Begrüßungsgetränk erhalten.

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Giessener Anzeiger vom 20.1.2017

Kostenlose Ausbildung zur Tagesmutter

Wer sich für eine verantwortungsvolle und qualifizierte Tätigkeit in der Betreuung von Kindern interessiert, ist im Landkreis Gießen gern gesehen: Die Katholische Familienbildungsstätte in Buseck bietet im Auftrag des Landkreises eine kostenfreie Ausbildung zur Kindertagespflegeperson an.

BUSECK (red). Absolventinnen und Absolventen können dann bis zu fünf Kinder betreuen und sich als Tagesmutter oder -vater selbstständig machen. Das nächste Grundqualifizierungsseminar für Tagesmütter und -väter startet am 11. März. Anmelden sollte man sich aber schon jetzt.

„Uns als Landkreis ist es wichtig, den Bereich Kindertagespflege als gleichrangiges Angebot zu Kindertageseinrichtungen weiter auszubauen“, sagt Hans-Peter Stock, hauptamtlicher Kreisbeigeordneter und Familiendezernent im Landkreis Gießen. „Denn Eltern sollten frei entscheiden können, von wem und in welchem Umfang sie ihre Kinder betreuen lassen möchten. Beide Kinderbetreuungsformen haben ihre Stärken.“ Derzeit gibt es im Landkreis Gießen 141 Tagespflegepersonen, zusätzliche Tagesmütter und -väter sind aber gern gesehen. Deshalb werden jedes Jahr neue Kindertagespflegepersonen ausgebildet – und das kostenlos.

Gut gerüstet
Gabriele Arnold, Fachberaterin im Team Kindertagesbetreuung bei der Kreisverwaltung, erläutert die Inhalte der Ausbildung: „Die Schwerpunkte umfassen pädagogische, psychologische und methodische Lehrinhalte, die bei der Entwicklung, Erziehung und Förderung von Kindern die Grundlagen bilden.“ Zudem werden die angehenden Tagespflegepersonen zu Themen wie „kompetenter Umgang mit Eltern“ und „Rechtsfragen in der Kindertagesbetreuung“ geschult. So werden die Betreuungspersonen von morgen intensiv für ihre neue Tätigkeit vorbereitet. „Schließlich ist Kindertagespflege eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, für die man gut gerüstet sein sollte“, so Fachberatierin Gabriele Arnold.

Weitere Informationen zum nächsten Grundqualifizierungsseminar erhalten Interessierte in den regional zuständigen Kindertagespflegebüros des Landkreises Gießen: Für die Region Allendorf, Buseck, Fernwald, Lollar, Rabenau, Reiskirchen, Staufenberg ist Petra Goldack in der Familienbildungsstätte Großen-Buseck Ansprechpartnerin: Telefon: 06408/5011-53.

Interessierte aus Grünberg, Hungen, Laubach und Lich wenden sich bitte an Karen Sondhof, Telefon: 06405 8271-60, oder Elke Bär vom Oberhessischen Diakoniezentrum in Laubach: Telefon: 06405/8271-80.

Die Region Biebertal, Heuchelheim, Langgöns, Linden, Pohlheim und Wettenberg betreut Christine Rinn vom Verein „Eltern helfen Eltern“ in Gießen unter 0641/3012-579.

Weiterlesen: Gießener Anzeiger, 9.1.2017 “Kostenlose Ausbildung zur Tagesmutter”

Giessener Anzeiger vom 24.12.21016

“Kuscheltante Brita Ratzel aus Gießen kümmert sich um elternloses Baby”

Symbofot: dpa
Von Harun Atmaca

GIESSEN – Die medizinische Versorgung des elternlosen Kindes ist gewährleistet.
Hier kommen die „Kuscheltanten“ ins Spiel. Im Herbst dieses Jahres wird im Uni-Klinikum ein Junge geboren. Die Eltern wollen das Kind nicht und geben es zur Adoption frei. Ein schlimmes Schicksal für das Kind? Ja, könnte man meinen.

Aber zum Glück gibt es Menschen, die sich engagieren, in ihrem Beruf oder ehrenamtlich, damit es solchen Kindern gut ergeht. Ärzte, Pflegekräfte, Jugendämter und Kuscheltanten arbeiten eng zusammen. Moment, Kuscheltanten?

So wurden die ehrenamtlichen Helferinnen liebevoll auf der Station “Moro” der Kinderklinik genannt, die den Säugling in den Wochen nach seiner Geburt besuchten, um mit ihm – ja, eben zu kuscheln.

Giessener Anzeiger vom 22.12.2016

Hilfe für die Kleinsten

Spendenübergabe-Hallo-Welt-Bürgerstiftung-Foto-von-MA-Karstadt
(red)/Foto: Karstadt

Giessen: Der Baum der Weihnachtsaktion von Karstadt war bestückt mit kleinen Geschenken für Babys. Kunden konnten im Laufe der Aktion die Päckchen kaufen und mit persönlichem Gruß versehen als Spende für die Initiative „Hallo-Welt“ an der Servicekasse von Karstadt abgegeben. Filialgeschäftsführer Lothar Schmidt übergab nun die so gespendeten Päckchen und Pakete an die Koordinatorin von „Hallo Welt“, Dr. Susanne Gastmann. Auch die Vertreter des Vorstandes der Bürgerstiftung Mittelhessen, die „Hallo Welt“ maßgeblich fördert, zeigten sich hocherfreut bei der Übergabe. Die Gaben werden in den nächsten Wochen und Monaten von den ehrenamtlichen Hallo-Welt-Botschaftern an Familien verschenkt, in denen ein Baby geboren wurde. “Hallo Welt” ist ein Angebot für alle Mütter und Väter von Neugeborenen in der Stadt und im Landkreis Gießen, unabhängig von ihrer gesellschaftlichen, ethnischen oder religiösen Herkunft. Familien können mit der Koordinationsstelle “Hallo-Welt” einen Besuchstermin vereinbaren. (red)/Foto: Karstadt

Giessener Anzeiger vom 22.12.2016

Zwei Kuscheltanten für Baby Felix

Sterne für Babx Felix. Hallo Welt. Kinderklinik.
Dr. Ehrhardt. kuscheltante brita ratzel Foto: schepp

Gießen (cg). Als das Baby auf die Welt kam, wollte niemand es haben. Dass Felix dennoch einen glücklichen Start ins Leben hatte und nun sogar in eine wunderbare Familie ziehen kann, ist vielen engagierten Menschen zu verdanken: Ärzten, Krankenschwestern, dem Jugendamt und seinen beiden »Kuscheltanten«.

Das kleine, warme Bündel schlummerte in ihren Armen, und manchmal kam es Brita Ratzel so vor, als husche ein Lächeln über sein Gesichtchen. Für die ehrenamtliche Botschafterin von »Hallo Welt« war es anfangs ungewohnt, diesen zerbrechlichen Winzling zu halten, denn die Zeit der »Brutpflege« mit dem eigenen Kind liegt schon lange zurück. Aber schon nach kurzer Zeit war Felix ihr vertraut, sie erzählte ihm etwas und sang ihm Lieder vor. Dass das Baby sich irgendwann an »Weißt Du, wie viel Sternlein stehen?« erinnern wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Aber darum geht es nicht. Das Kind, das aufgrund eines medizinischen Problems von seinen Eltern abgelehnt und noch im Krankenhaus zur Adoption freigegeben wurde, hat dank Ratzel und den anderen Helfern die Wärme und Zuwendung erfahren, die ein kleiner Mensch braucht.

Das war auch die Idee von Oberarzt Dr. Harald Ehrhardt und seinem Team von der Station Moro der UKGM-Kinderklinik. Die medizinische Versorgung des Säuglings war sichergestellt, aber das ausführliche Kuscheln und Liebkosen, das normalerweise die Eltern übernehmen, fehlte. Die Krankenschwestern kümmerten sich liebevoll um den kleinen Patienten, doch konnten sie nicht so viel Zeit mit ihm verbringen, wie wünschenswert gewesen wäre. Und deshalb kam »Hallo Welt« ins Spiel. Die ehrenamtlichen Botschafterinnen besuchen normalerweise Familien zu Hause, im Falle von Baby Felix kamen sie jedoch in die Klinik. Fünf Wochen lang gingen Ratzel (hauptamtlich Geschäftsführerin von Eltern helfen Eltern) und eine Kollegin täglich ins Krankenhaus. Ihren Namen hatten sie bald weg: »Kuscheltanten«. »Warum auch nicht? Das trifft es ja«, sagt Ratzel und lacht.

Weiterlesen : “Zwei Kuscheltanten für Baby Felix” , Gi. Allgemeine 22.12.2016

Giessener Anzeiger vom 02.11.2016

Neue Matte

(alg)/Foto:Salg

Übergabe-Weichbodenmatte-2 Zwanzig Jahre hatte die “Dicke Matte” im Kindergruppenraum des Vereins “Eltern helfen Eltern” zum Spielen und Toben eingeladen. Völlig verschlissen wurde sie nun gegen eine neue Weichbodenmatte ausgetauscht. Gefördert wurde der Kauf durch die “Stiftung Anstoß” mit 500 Euro. Insgesamt kostet die Matte 650 Euro. Bei der offiziellen Übergabe besuchte Regine Leithäuser vom Stiftungs-Vorstand die Einrichtung. “Wir freuen uns, wenn wir helfen können”. Bei der Einweihung frühstückten gerade Eltern mit ihren Kindern. Von “Eltern helfen Eltern” waren die Geschäftsführerin Brita Ratzel, die stellvertretende Vorsitzende Sina Steuernagel und Team-Mitglied Sarah Steinhagen anwesende. “Aus unserem normalen Etat hätten wir die Matte nicht bezahlen können und sind daher wirklich dankbar für die Unterstützung”, so Ratzel.

Giessener Anzeiger vom 20.09.2016

22-jähriger Psychologie-Student hat am Kinder- und Jugendtelefon offenes Ohr

Von Freya Altmüller
Foto: Altmüller

GIESSEN – “Viele stellen sich unter der Arbeit etwas anderes vor, als es ist”, erklärt Kristina Lehfeldt, Leiterin des Kinder- und Jugendtelefons beim Trägerverein Eltern helfen Eltern. “Sie wollen Jugendlichen helfen, denen es schlecht geht.” Bei 60 Prozent der Anrufe handelt es sich jedoch um sogenannte alternative Kontaktversuche, erklärt Lehfeldt. Früher, als “Deutschland sucht den Superstar” noch neu gewesen sei, hätten oft Kinder angerufen, die ihr am Telefon vorsangen. Sie musste dann bewerten, ob sie sich bewerben können oder sagen, wer am anderen Ende der Leitung der beste Sänger war.

“Wir wollen der Ansprechpartner der Kinder und Jugendlichen sein”, so die Beraterin. Deshalb sei es wichtig, die Anrufer in allen Belangen ernst zu nehmen. “Wenn die Kinder dann wirklich mal ein Problem haben, erinnern sie sich, da war jemand, der mich ernst genommen hat. “Wenn eine Elfjährige erzähle, sie sei schwanger, sei erst einmal egal, ob sie tatsächlich schwanger sei, weil das Thema sie offensichtlich beschäftige. Deshalb sei es im Zweifel auch bei erfundenen Geschichten gut, darüber zu reden….

Lesen Sie den Zeitungsartikel weiter unter: Giessener Anzeiger vom 20.09.2016

Giessener Anzeiger vom 02.08.2016

Kinder- und Jugendtelefon in Ferien stark gefragt

Einsamkeit, Gedanken über Selbstmord, sexueller Missbrauch: Das Kinder- und Jugendtelefon klingelt ohne Unterbrechung. In Gießen arbeiten 30 Ehrenamtliche für die »Nummer gegen Kummer«. Ratschläge oder gar Lösungen geben sie den Anrufern allerdings nicht.

Die »Nummer gegen Kummer« wählen Kinder und Jugendliche nahezu ausschließlich per Handy. Immer öfter wenden sie sich in Gruppen an die Nummer.

Gießen (srs). Irgendwo in Gießen: In einem schlicht eingerichteten Büro stehen ein Schreibtisch und ein Stuhl. Nahezu pausenlos schellt ein Telefon. Ein Ehrenamtlicher nimmt den Hörer ab. Am anderen Ende melden sich Jugendliche. Weinend traut sich ein Junge zum ersten Mal, von einem sexuellen Missbrauch zu berichten. Eine Anruferin weiß nicht mehr weiter, wie sie ihre Essstörung überwinden kann. Dann kündigt ein Mädchen am Telefon an, sich das Leben nehmen zu wollen. Über 1 700 Gespräche führten die Gießener Berater der »Nummer gegen Kummer« im vergangenen Jahr.

Wieder klingelt es. »Kinder- und Jugendtelefon, hallo«, meldet sich Marco mit sanfter, ruhiger Stimme. Bei dem Gespräch ist die Gießener Allgemeine Zeitung selbstverständlich nicht dabei. Marco, ein 32-jähriger Psychologe, erzählt: »Es war ein Mädchen, nicht älter als 11 Jahre. Sie hat mir berichtet, ihre Reitlehrerin möge sie nicht besonders, schimpfe sie immer wieder aus. « Aus Sicht des 32-Jährigen entwickelt sich »ein perfektes Beratungsgespräch«. Denn: »Ich finde es gut, wenn Kinder selbst auf Lösungen kommen.« Das Mädchen fragt er: »Was wäre, wenn eine Freundin ein ähnliches Problem hätte? Was würdest du ihr raten?« Die junge Anruferin überlegt – und kommt auf die Idee, ihre Reitlehrerin anzusprechen. Nach dem Gespräch bedauert Marco nur eines: »Schade, wenn man nicht weiß, wie die Geschichte ausgeht.«

Seit acht Jahren arbeitet er für das Kinder- und Jugendtelefon. Nach einer halbjährigen Ausbildung mit 100 Stunden Theorie, praktischen Übungen sowie ersten Beratungsgesprächen unter Begleitung. Seinen Nachnamen will er nicht in der Zeitung lesen. Denn was wäre, wenn ein Jugendlicher ihn erkennt, zum Beispiel als Nachbarn – und sich nicht traut, bei der »Nummer gegen Kummer« anzurufen? Auch im Freundes- und Bekanntenkreis halten die Berater sich zurück, von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit zu erzählen. Die Organisatoren des Kinder- und Jugendtelefons verraten nicht einmal, wo genau das Büro untergebracht ist. »Anonymität«, erklären sie, »ist unser höchstes Gut.«

In den Ferien stark gefragt

Konsequenzen zieht ein Anruf bei der »Nummer gegen Kummer« nicht nach sich. »Wir schalten die Polizei nicht ein«, erklärt die Koordinatorin des Kinder- und Jugendtelefons, Kristina Lehfeldt. Auch dann nicht, wenn beispielsweise ein Kind über sexuellen Missbrauch berichtet. »Wir hören zu, ermutigen und weisen auf Beratungsstellen hin.«

Seit 1979 gibt es in Gießen das Kinder- und Jugendtelefon, ins Leben gerufen vom Verein »Eltern helfen Eltern«, der auch heute noch der Träger ist. Inzwischen sind die bundesweit 82 regionalen Kinder- und Jugendtelefone zu einem Angebot verbunden. Anrufe aus Gießen landen deshalb nur noch selten im Büro vor Ort. Nur dann, wenn Jugendliche aus Stadt und Kreis per Festnetz anrufen. Die große Mehrheit aber wählt die Nummer per Handy – und wird dann in ganz Deutschland weitergeleitet, wo eben gerade ein Berater zur Verfügung steht.

Knapp 30 ehrenamtliche Berater arbeiten für die »Nummer gegen Kummer« in Gießen, zum großen Teil Studenten. 1 741 Beratungsgespräche haben sie 2015 geführt. Das Psychologiestudium sei eintönig, erklärt Katharina ihre Motivation. Es gibt nur ein Telefon, an dem die Berater abwechselnd sitzen. Ihre Schichten dauern in der Regel zwei Stunden.

In der Ferienzeit steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die die »Nummer gegen Kummer« wählen. Der August ist der Monat mit den meisten Anrufen. Über den Grund kann die Koordinatorin, Kristina Lehfeldt, nur spekulieren: Eine mögliche Erklärung »wäre tatsächlich: Die Jugendlichen beschäftigen sich mehr mit sich, ihren Freunden und der Familie. Da kommen dann vielleicht die Dinge hoch, die ansonsten im Alltag verdrängt werden.«

Schlechte Noten in der Schule, Mobbing – und vor allem Fragen der Pubertät: Die Sorgen der Jugendlichen, haben sich in den vergangenen 20 Jahren kaum geändert, berichtet Lehfeldt. Unsicherheit über das eigene Aussehen oder »Wie überwinde ich nur meinen Liebeskummer?« sind häufig gestellte Fragen. In jedem fünften Gespräch geht es um Liebe und Partnerschaft, jedes dritte dreht sich um Fragen der Sexualität.

Berater und Organisatoren des Kinder- und Jugendtelefons heben immer wieder eines hervor: Ratschläge oder gar Lösungen für Probleme wolle man nicht bieten. »Wir sind nicht die Hotline von Samsung: Mein Handy hat Probleme. Auf welchen Knopf muss ich drücken? So ist es bei uns halt nicht«, sagt Marco. »Wir hören zu. Wir geben Mut, zeigen Verständnis. Wir helfen, die Gedanken der Anrufer zu strukturieren. Wenn jemand emotionalen Stress hat, ist in seinem Kopf ein Durcheinander.«

Wieder klingelt im Büro der »Nummer gegen Kummer« das Telefon. Ein Mädchen meldet sich. Sie erzählt von der Trennung ihrer Eltern und von Schulstress. Dann hält sie schließlich fest: »Am liebsten will ich gar nicht mehr leben.« Der Berater am anderen Ende stockt für einen Moment. Dann hört er dem Mädchen einfach zu. Bis sie einmal kurz auflacht. »Es hatte irgendwas mit dem Fußballtrainer Klopp zu tun«, erinnert sich der Berater. »Ich habe sie auf das Lachen angesprochen: »Ist dir etwas aufgefallen? Du willst nicht mehr leben, kannst dich aber über Sachen freuen. Das Leben ist eben nicht nur schwarz und dunkel.« Diese kleinen Momente, ein solches aktives Zuhören, erzählt der Helfer der »Nummer gegen Kummer«, seien viel wertvoller als Ratschläge oder Floskeln der Aufmunterung.

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